Christliche Seefahrt

Auch, wenn das an der äußeren Mole der Marina von Mykonos festgemachte Kreuzfahrtschiff, welches gerade darauf wartet, daß seine Passagiere schwer mit den Schätzen der Souvenierläden beladen, an Bord zurückkommen, den Namen Celebrity Equinox trägt, zähle ich den uns zur Zeit heftig beutelnden Nordost-Sturm nicht zu den Äquinoktialstürmen, da wir heute erst den 3. September schreiben. Lieber zähle ich die Decks von besagtem Schiff, wobei ständig eine andere Zahl herauskommt. Zur Abwechslung wird das Hafenkino eröffnet, indem eine ziemlich neue Janneau bei nahezu 30 Knoten Wind in den Hafen läuft, uns beinahe seine Nase in’s Gelcoat steckt, dabei seinen Anker uns vor den Bug wirft, und mit Wind und rückwärts gehender Maschine flott an die gegenüber liegende Pier fährt, wo ein Helfer die vom Skipper geworfene Leine annimmt und belegt. Voller Neid sehe ich, dass dieser Kollege, der wirklich weiß, was er tut, immer noch sein Bimini stehen hat, sowie das als Rückwärts-Sturm-Spi fungierende Schlauchboot, welches hochkant am Mast befestigt ist. Wir haben uns mit unserem Bimini von den Italienern linken lassen, indem wir fast den Preis eines Porsche-Cabrio-Verdecks abdrücken durften, aber eher nur ein Lidl-Zelt erworben haben, an welches wir bei dem Gedanken, bzw. der Notwendigkeit zu Reffen immer als erstes denken müssen. Weil wir unserem Ankerweniger vertrauten, haben wir dem Wind unsere Kehrseite zugewandt und dementsprechend römisch-katholisch angelegt. Als Folge haben wir die Sand- und Staubfracht dieses von den sonst Schutz bietenden Bergen kommenden Windes innenbords eingesammelt, da man ja schon etwas Luft braucht. Als wir uns in einer Kunstgalerie in Mykonos den für eine Viertelmillion Euro angebotenen, in Bronze gegossenen biblischen Brudermord ansehen wollten, entschuldigte sich die Betreiberin, da sie uns den Weg zur Kunst erst freifegen müsse. Im Geiste ein Lied singend, konnten wir mitfühlend nur müde lächeln. Mit einer weiteren bibliophilen Kontemplation vertrieben wir unsere Zeit, da vom Evangelisten Lukas beschrieben, einst der Apostel Paulus während seiner Gefangenenüberstellung nach Rom i einem durchaus ähnlichem Sturm, wie dem derzeitigen, die sichere Landung auf Kreta verpasste, und nur mit nacktem Leben wahrscheinlich auf Malta schiffbrüchig strandete und von den Maltesern freundlich empfangen wurde. Ob als Anlegeschluck ein Malteser, oder ein später danach benannter Paulaner fungierte, lässt sich aus der Bibel nicht entnehmen.